moorea_2019_0.jpg

 polynesie-francaise_2018.jpg

polynesie-francaise_via_dohar_2018.jpg

triptychon_die_stadt-berlin_die_nacht.jpg

 

Polynésie

Andreas Zahlaus

Auf leuchtendem Blau bewegen sich vogel-, insekten- und fischähnliche Wesen in zartgrün und Rosa Pastell auf eine kräftig farbige Gestalt zu. Diese scheint nur von hellen Streifenmarkierungen daran gehindert zu werden, den Rahmen zu sprengen. Explosionsartig mit Farbtupfern übersät, wechseln sich orange, grüne und tiefblaue Flächen mit auf die Leinwand geklebtem Papier chinesischer Zeitungen ab. Mal stürzt eine Figur in den Tag, bis sie auf einem Flecken grün zur Ruhe kommt, dann wieder erhebt sich ein Schiff aus einem Formengeflecht und bahnt sich einen Weg.

Farbgewaltige Südseeimpressionen kontrastieren mit kraftvollen Bildern der rasant wachsenden Großstadt Berlin. Seit dem 16. Januar 2019 ehrt die FLEXIM-Galerie den mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichneten Künstler Andreas Zahlaus mit einer dritten Ausstellung. Der Boulevard empfängt mit aktuellen großformatigen Arbeiten der Polynèsie-francaise, wie der Künstler seine auf Leinwand gebannten Reiseimpressionen durch die Inselwelt Französisch Polynesiens titelt.

Ein Zwischenstopp unterbricht die unendlichen Flugzeiten und lässt erwartungsvoll das ferne Reiseziel in angedeuteten Konturen erahnen. Auf die Leinwand geworfene kurze Pinselabdrücke aus fast pastösen Ölfarben bleiben auf der Oberfläche stehen und bestimmen ihre Struktur mit plastischen Akzenten. Schwungvoll dynamisch führt eine Leitlinie durch die mit schemenhaften Linien belebte wüstengraugelbe Fläche in der „Polynèsie-francaise via Dohar“. Sie lenkt den Blick zu einer Farbexplosion im danebenhängenden Bild „Tahiti-Papé ete, 29 June“, auf der sich zwei Wesen in leichtfüßigem Tanz gewonnener Unabhängigkeit erkennen lassen. Menschen, pulsierend in Gelb Orange vor blauschattiertem Untergrund, endlich von der jahrelangen Kolonialmacht befreit und bereit, sich auf Erkundungstour außerhalb des festen Bezugsrahmen Leinwand zu begeben.

Die inspirierende Reise führt Andreas Zahlaus auch zu der Insel Mo`orea, symbolisiert von zwei kokett neugierig scheinenden weiblichen Gestalten in langen Gewändern, umgeben von einem fliegenden Fisch und einem blauen Hund mit rotem Halsband. Ihre schwarz gelackten Haare und die verhüllende Tracht erinnern an die traditionelle Kleidung der japanischen Geisha. Wie eine friedliche Traumsequenz wirkt daneben die „Polynèsie-francaise“ mit skizzenhaft umrissenen Figuren in Pastelltönen aus quadratischem und rechteckigem Seidenpapier. Besprengt mit Goldflocken bewegen sie sich plastisch hervorgehoben zart und fließend vor einem gelborangen Hintergrund zwischen dem Blau von Himmel und Meer.

Der zweite Teil der Ausstellung führt die langjährige Auseinandersetzung des Künstlers mit dem gesellschaftlichen Miteinander im wirbelnden Lebensraum Metropole fort. Seine prägnante Handschrift lenkt das Hauptaugenmerk auf zwei Triptychons zum Thema Berlin bei Tag und Nacht. In der vergangenen Dekade entstanden die großformatigen mit Papier kollagierten Ölgemälde, deren heraustretende Muster zu Momentaufnahmen von Situationen und Begegnungen werden. Jedes Werk lässt viele Einzelbilder entdecken und jedes erzählt eine eigene Geschichte. Wie eine absurde Morgenröte beginnt eine dynamische Figur in Blau den Tag vor einem Hintergrund in Pink, durchlebt einen zitronig gelben Mittag und findet im dritten Bild einen grünen Ruhepol. Die Nacht dagegen leuchtet in schrillem gelb-rot-orange vor nachtblauem, auberginefarbenem oder tiefgrundig Grünem Hintergrund. Mit der Dunkelheit erwacht die Stadt zu einem chaotisch anmutenden Tanz, hervorgehoben durch feurige Lichtimpulse, wie energisch im Großformat gefangene Sprengkraft. Die daraus wachsenden Impulse lassen ein Schiff kommen, das die Segel für die Reise zu Sehnsuchtsorten gehisst hat.

Text: Sigrid Fontana