Montagsgefühle - eine neue Ausstellung bei FLEXIM mit Bildern der

13.10.2016

Luxuriös leuchtende Farbigkeit in einer Vielzahl von Blau- und Grüntönen, faszinierende Farbverläufe in warmem Rot und Gelb mit gekonnt gesetzten Konturen enthüllen die Umrisse eines weiblichen Rückenakts. Geometrische Linien scheinen ein Dachgebälk zu bilden und ein Fenster, in dem sich beobachtende Augen erahnen lassen, schwebt außerhalb des Raums. Wie von Nebelschwaden umwoben, verschwimmen einzelne Elemente miteinander und lassen ein Bild im Bild entstehen. Kraftvoll, ausdrucksstark und durchdringend in ihrer Farbigkeit präsentieren sich großformatige Werke mit fantasievollen Titeln wie „Kopflos“, „Bodybuilder beim Biedermeiern“ oder „Blaupause“  und wirken gleichzeitig unaufdringlich und eindringlich. Reduziert auf lichte Transparenz und übertragene Skizzen setzt eine Serie quadratischer und rechteckiger Kleinformate einen Kontrapunkt zu den abstrakten Farbspielen. Sie erzählt von Posen, Bewegungen oder Figuren, die mit Schattenwesen verschmolzen zu sein scheinen.

Ein vulkanisches Farbenmeer empfängt die Besucher der FLEXIM Galerie, das seit dem 10. Oktober 2016 mit den aktuellen Werken der Malerin Kerstin Studt die grauen Herbst und Wintertage erwärmt. Schon in frühester Kindheit interessiert sich die gebürtige Berlinerin für Kunstgestaltung. Mindestens dreimal in der Woche nutzt sie Kursangebote zu den Themen Keramik, Plastik und Bildhauerei in der Jugendfreizeitstätte  Wuhlheide und gestaltet dort mit Ton, Holz und Glasbeton erste Werke. Ganz bodenständig beginnt Kerstin Studt dann 1992 ein Studium der Kunstpädagogik und Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin und an der Hochschule der Künste, in deren riesigen Ateliers sie zur Malerei findet. Seit 2002 unterrichtet sie die Oberstufe einer Gesamtschule in Kunst und leitet dort die Kunst AG. In dem streng strukturierten Stundenplan der Mutter dreier Teenager bleibt nur der Montag, um Werke zu schaffen, deren geheimnisvolle und fantasieanregende Poesie jedem Betrachter eine eigene Geschichte anvertraut.

Kerstin Studts Arbeiten haben in den letzten zehn Jahren zahlreiche Ausstellungen bereichert. Ihre Bilder sprechen von Erinnerungen und Träumen, Leidenschaft und Gelassenheit. Intuitiv füllt sie die Leinwand mit einer kaum zu beschreibenden Vielfalt von Farben und Formen. Aus fertig abgemischten oder aus Pigmenten selbsthergestellten Acrylfarben entstehen organisch pulsierende Gestalten, die mit Kohle konturierte geometrische Linienführungen überlagern. Sie trägt die Farben mit breiten flachen oder feinen Pinseln, den Fingern, Schwamm, Druckstock oder Schablone auf. Symbolträchtige Ornamentik  erzeugt Spannung,  gliedert und akzentuiert die Fläche mit fein gezeichneten Verästelungen, verwobenen Kreisen und stilisierten Blütenmustern. Die Bedeutung des Motivs wächst aus dem Zusammenspiel der Farben und Formen.

Bei „Aufbruch 1 und 2“ schimmert eine blassblaue Außenwelt durch einen verschlissen wirkenden Vorhang in samtig mildem Erdbeerrot, gebrochen durch ein archaisches, ochsenblutrot glänzendes Lilienmuster. Im Bildzentrum durchläuft ein schlängelnd pastellgrüner Körper eine Metamorphose, während er sich aus einer schützenden  Hülle  zu befreien scheint, um sich in unbekannte Dimensionen vorzuwagen. Der maigrüne Faltenwurf „Cover“ schützt Verborgenes dekorativ. Doch was verhüllt er an einem Ort voller zarter Blütenranken in zartpudrigem Rosablau und Gelb? Erst bei konzentrierter Betrachtung fallen die Konturen eines Handpaars ins Auge, die sich hervorwagen. Dann entdeckt der dritte Blick  eine weitere Hand.

In einer spannungsvollen Kombination aus kraftvollem Blau, dynamischem Rot und sattem Grün berichten die Werke von Kerstin Studt von Verletzungen, Heilungen und Sinnlichkeit, um der Fantasie zu erlauben die Freiräume hinter der Oberfläche zu erobern.

Text: Sigrid Fontana
www.studt-art.de

Kerstin Studt vor kopflos, 2016, 150 x 120 cm Acryl auf Leinwandbau auf, bau auf, 2016, 150 x 120 cm Acryl auf LeinwandJason, 2012, 150 x 120 cm Acryl auf LeinwandBlaupause, 2016, 140 x 120 cm Acryl auf Leinwand