Schwerelos im Takt - Werner Paul Puschmann und Torsten Theel

07.11.2011

Farbenfrohe Naturimpressionen, expressive Aquarelle, gewagte Akte und realistisch gemalte Tanzpaare verschiedener Epochen stimmen auf die herbstlichen Vergnügen ein. Dazwischen entfalten sich schwerelos anmutende Objekte der Schmiedekunst mit ausdrucksvoll modellierten Stelen, perlenden Elementen aus galvanisiertem Nickel und gewundenen Stahlröhren. Seit dem 1. November zeigt die FLEXIM Galerie eine Auswahl der Gemälde von Werner Paul Puschmann und Skulpturen des Metallkünstlers Torsten Theel.

Torsten Theel, geboren 1959 in Leipzig und bei Achim Kühn zum Metallkünstler ausgebildet, erfüllt seine Gesellenjahre in der Kunstschmiede Berlin. Die Meisterprüfung besteht er 1982 mit seinem in Kupferblech getriebenen Werk „Die Gerechtigkeit“, das im Berliner Dom zu sehen ist. Bis 1990 ist er Mitarbeiter des Kollegiums Bildender Künstler, macht sich selbständig und übernimmt 2001 die Hofschmiede in der Domäne Dahlem. Für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten restauriert er beispielsweise das filigran dekorierte Gitterwerk des Sonnenpavillons im Rehgarten Sanssouci und fertigt das „Waldmüllertor“ für Klein Glienicke. In Stahl interpretierte Vorlagen barocker Bilderwelten, Gebrauchskunst sämtlicher Stilrichtungen und akzentuierte Skulpturen entstehen in der Schmiede von Torsten Theel. Jedes seiner Werkstücke wird gewachst, farbbehandelt, lasiert oder vergoldet zu einem Unikat der Metallkunst. Gewürdigt wird sein Können in zahlreichen Ausstellungen und im Jahrbuch der weltbesten gestaltenden Schmiede (2007).

Auf dem Hamburger Platz in Teltow erinnern langgliedrige Stränge, die aus rostbehafteten Kuben auszubrechen scheinen, an „Die Forderung“ einer Frauengruppe, die sich dort am 17. Juni 1953 gegen das damalige System auflehnt. In der FLEXIM Galerie ist der etwa vierzig Zentimeter hohe Entwurf dieser Skulptur zu sehen, ebenso wie das Vorbild für die überlebensgroße Plastik „Paar“. Galvanisierte Nickelkugeln verschiedener Größen wachsen zwischen zwei Stahlstelen zu einer neuen aufschäumenden Kraft. Eine ähnlich sinnliche Spannung erzeugt das sechzig Zentimeter hohe Modell „Der Kuss“, bei dem die geöffneten Lippen zweier Stahlstelen sich miteinander vereinigen ohne sich zu berühren.

Die Bilder von Werner Paul Puschmann vertiefen dieses Thema. Bei seinen Darstellungen des Körpers sitzt jeder Pinselstrich an der richtigen Stelle, konturiert schwungvoll die Silhouette einer Schulter, verleiht Arm und Hand Haltung und Geste. Ungestört vom Beobachter vermitteln die Figuren die traumhaft versunkene Stimmung einer in sich geschlossenen Welt. Bei seinen Bildern rund um den Tanz fasziniert die Ausdruckskraft der realistischen Darstellung. Selbstvergessen bewegen sich Paare zur Musik ihrer Epoche und verschmelzen beim Tango in akrobatischen Posen. Das klassische Ballett liefert Anregungen für erotische Darstellungen. Eine Ballerina lässt sich unter die Röcke blicken und begrüßt ihren unsichtbaren Besucher mit verführerischem Blick.

Werner Paul Puschmann, geboren 1944 im Vogtland, beendet 1963 seine Ausbildung zum Dekorationsmaler, geht zur See, wird Rettungsschwimmer und übernimmt die Leitung des Schwimmbades in Caputh. Bei seinen späteren Professoren Magnus Zeller und Herbert Lange von der Fachhochschule für Restaurierung besucht er zahlreiche Malkurse, bevor er 1976 sein Studium als Restaurator für Wandmalerei beginnt. Seit der Aufnahme in den Verband bildender Künstler 1983 arbeitet er als freischaffender Künstler und Restaurator. Neben zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen mit eigenen Bildern, restauriert er für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten beispielsweise die Deckenmalereien im Marmorpalais oder die von Schinkel errichteten, römischen Bäder im Charlottenhof.

In der freien Malerei hält Werner Paul Puschmann die Atmosphäre des Moments in Aquarell, Öl und Kreide fest, spielt mit Formen und Ausdruck. Der kraftvollen Explosion von Blau, Gelb und Rot seiner nicht gegenständlichen Werke lässt sich auf den ersten Blick kein Motiv zuordnen. Hier ist es Farbe in Bewegung, die sich freudig in ein Format hat einfangen lassen, um die Fantasie anzuregen und eine eigene Beziehung zu dem Bild aufzubauen.

Text: Sigrid Fontana