Phantastische Reisen - Kai Hellbardt

22.06.2011

Klare ausdrucksstarke Farben, scharf umrissene Konturen, organische Formen und wundersame Gestalten mit menschlichen Zügen öffnen die Augen für eine irreale Welt. Den Ausgangspunkt für die Reise wählt der zufällige Blick auf ein Element und lässt ihn eintauchen in den dynamischen Kreislauf der wie mit einer Nabelschnur verbundenen Figuren. Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte, die keinen Anfang oder ihr Ende vorgibt.

In den letzen zehn Jahren entstanden die surrealen Werke von Kai Hellbardt, die seit dem 8. Juni 2011 in der FLEXIM Galerie zu enträtseln sind und ihre Besucher bis zum September immer wieder neue Elemente aufspüren lassen. Daneben zeugen einige nahezu wirklichkeitsgetreue Portraits von der Vielseitigkeit des Künstlers.

Wie Illustrationen aus Science-Fictiongeschichten wirken die Kreaturen, deren teilweise aufgedecktes Innenleben weitere Dimensionen enthüllt. Oft ähneln die Figuren den geometrisch verzeichneten Mustern eines Kaleidoskops, deren vielfarbige Mosaike sich symmetrisch um eine Achse spiegeln. Die kleinste Drehung oder Erschütterung wandelt das Gefüge der Formen zu einer neuen Ansicht mit einem anderen Farbenspiel. Beginnend bei einer Hauptfigur entwickelt Kai Hellbardt einen Kreislauf der Evolution und Kulturgeschichte in den grenzenlosen Varianten der Farben blau, gelb und rot. Urzeitlich wirkende Schnabeltiere, Amphibien oder Reptilien betrachten mit wachsamen Augen andere unauflöslich mit ihnen verflochtene Wesenheiten. Betitelt als „Odyssee im Dickicht der Zwischenräume“, „Die Vergessenheit erwies sich als Glück“ oder „ Universaler Zauber“ geben sie sich beinahe schwerelos den Themen des Lebens hin.

Seit frühester Kindheit malt Kai Hellbardt, Jahrgang 1963. Er bezeichnet sich als von den Eltern vorbelasteten Autodidakten. Nach einer Maskenbildnerausbildung beim Fernsehfunk Berlin besucht er die kurzzeitig die Kunsthochschulen in Dresden und in Berlin – Weißensee, weicht aber vom vorgeschriebenen Schema ab und siedelt 1988 nach Süddeutschland über. Dort zeigt er seine Arbeiten auf ersten Ausstellungen in Stuttgart und Esslingen. Seit 1991 lebt und arbeitet der Künstler wieder ständig in Berlin. Er gestaltet neben zahlreichen Illustrationen für Werbeagenturen auch die Broschüren für Oberbaumcity, das Gelände der ehemaligen Glühbirnenfabrik Narva im Bezirk Friedrichshain und wird beauftragt, das Thema Wellness für ein Duisburger Gesundheitszentrum auf der Leinwand umzusetzen. Die Mobilität im asiatisch-pazifischen Kulturraum repräsentiert sein Werk für das Geschäfts¬zentrum des VW-Konzerns in Peking. In der ARD Dokumentation „Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus“ malt er das Portrait des preußischen Großgrundbesitzers Dr. Weber.

Kai Hellbardt malt kleine und große Formate in Öl auf Leinwand, entspannt sich bei der altmeisterlichen Portraitmalerei oder lässt sich von der surrealen Phantasie fesseln. Seine fotorealistischen Portraits entstehen in nur wenigen kurzen Sitzungen in heimischer Atmosphäre. Bei den freien Kompositionen reicht diese Zeit nicht einmal für die akribisch ausgeführten schwarzen Umrisse eines der rätselhaften Fabelwesen in azurblau, kadmiumrot, waldmeistergrün oder zitronengelb. Nicht messbar entfaltet sich die Gestaltungskraft in leuchtend farbigen Spiegelungen, erotischen Enthüllungen, mystischen Entwicklungen und Verwicklungen. Es entstehen Ähnlichkeiten aber nichts Gleiches.

Doch ein aufmerksamer Betrachter entdeckt auf jedem Bild ein kleines koboldähnliches Wesen mit einem raketenförmigen Körper und langgliedrigen Insektenbeinen, dessen linsenrunde Kameraaugen und abstehende Fledermausohren alles aufzunehmen scheinen. Vielleicht entsteht aus seinen Wahrnehmungen eine neue Geschichte, die jederzeit von der einer Fernsehmattscheibe ähnelnden Körpermitte wiedergegeben werden könnte.

Sigrid Fontana