Lutz Brand, Volker Schmidt, David Ulbrich

07.02.2006

Gemalte und fotografierte Momentaufnahmen präsentiert die FLEXIM Galerie seit dem 1. April 2011. Drei Künstler laden ein zu einer Reise durch die Welt der Symbole. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen vier großformatige Werke des Grafikers und Illustrators Lutz Brandt, der in Berlin zahlreiche architekturgebundene Wandmalereien gestaltet hat. Mit der Serie Wandzeichen reflektiert er das Thema urbaner Kommunikation aus der Perspektive des freien Künstlers. Fotografien ungewöhnlicher Stadtansichten, ausdrucksstarker Gesichter und ursprünglicher Landschaften von Volker Schmidt und David Ulbrich begleiten das Leitmotiv.

Markierungen – Lutz Brandt

In seinen zwischen 1990 und 1994 entstandenen Arbeiten interpretiert Lutz Brandt Graffiti als eine Gestaltungsform im öffentlichen Raum, deren besondere Ästhetik ein flüchtiger Blick im Vorbeigehen nur selten wahrnimmt. Auf der Leinwand umgesetzt gewinnen die warmroten Aufzugtüren mit den in Bauchhöhe eingeritzten Krakeleien aus Kinderhand das Wohlwollen des Betrachters. Eine Baugrube liefert die gedankliche Vorlage zu „Bon Jovi am Nachmittag“. Als Merkmal der Vergänglichkeit fängt Lutz Brandt wie beiläufig vom Quast abgestrichene Farbe an der Verschalung ein, dahinter Fragmente einer Freihandskizze, darüber Kritzeleien unbefugter Eindringlinge und das Symbol der Anarchie. Wie eingemeißelte Mitteilungen an die Zukunft wirken die plastischen Hieroglyphen auf einer Lehmwand bei „Agadir im Februar“. Die Dynamik roter und blauer Signaturen auf der dunkelgrünen Oberfläche eines Stromkastens der New Yorker U-Bahn wird zu einer Hommage an „Kurlansky und Naar in der Metro“, deren experimenteller Umgang mit Typografie und Symbolen in den achtziger Jahren im Grafik Design zukunftsweisende Impulse setzte.

Zeichensprache- Volker Schmidt

Die doppeldeutige und fremde Welt der Piktogramme thematisiert Volker Schmidt und lenkt den Blick auf die Abhängigkeit von der kulturell bedingten Interpretation und Decodierung. Nur auf seinen Reisen fotografiert der bei FLEXIM für das Produktcontrolling verantwortliche Ingenieur. Fasziniert von menschenleeren Landschaften und überwältigender Natur hält er die Eindrücke seiner Wanderungen durch Argentinien, Island und Neuseeland mit einer handlichen Digitalkamera fest, verdeutlicht mit seinen Bildern, wie mit Verständnis und Erfahrung rätselhaft Fremdes zu begreiflich Vertrautem wird.
Auf einem Verbotszeichen inmitten der kargen argentinischen Pampa bildet ein Waffenlauf das Vorderteil eines Autos. Hier wird nicht das Schießen aus dem fahrenden Auto heraus untersagt, sondern erinnert daran, dass jedes Auto eine tödliche Waffe ist. In der nahezu vegetationslosen Einöde Patagoniens warnt ein Schild mit einer vom Sturm gebogenen Palme vor plötzlichen Böen, ein anderes weist auf flugunfähige Schnabeltiere die jederzeit die neuseeländischen Straßen überqueren könnten. Auf den Landschaftsfotos von Volker Schmidt glitzert Schmelzwasser eisblau in einem zugefrorenen Vulkankrater, steigt ein perfekter Regenbogen über einem Wasserfall auf, schimmert eine von Prielen durchzogene Eisfläche. Zurück in der Zivilisation raten gleich dutzende von Halteverbotsschildern auf engstem Raum davon ab im Wiener Botschaftsviertel ein Fahrzeug abzustellen.

Ansichtsache – David Ulbrich

Auf seinen Fotosafaris durch die Großstadt, fängt David Ulbrich mit geübtem Blick besondere und außergewöhnliche Momente ein. Das weite Spektrum seiner Interessen dokumentieren seine Aufnahmen von Menschen und Veranstaltungen, Gebäuden und Ansichten, Situationen und Gesichtern. Klare Farben, perfekte Belichtung, optimale Tiefenschärfe, in der richtigen Sekunde den Auslöser gedrückt! Die Umsetzung der Motive weist auf einen Profi. Doch hinter den Fotos steht ein kreativer Ingenieur, Mitbegründer von FLEXIM und passionierter Hobbyfotograf mit professionellem Equipment.
Nur ein scharfer Blick nimmt die vor dem Berliner Dom schwebenden überdimensionalen Seifenbasen wahr, der vergoldete Engel auf der Siegessäule erstrahlt vor tiefblauem Himmel und lässt rätseln aus welcher Höhenperspektive diese Detailaufnahme entstehen konnte. Satirische Wortspiele an Fassaden, ein Mensch, der anstatt zu betteln Berliner Luft in Tüten verkauft oder ausdrucksstarke Gesichter in Nahaufnahme entwickeln eine tief greifende Sogkraft. Ob Architektur, kostümierte Tänzer beim Karneval der Kulturen, ein Luftsprung über Bahngleise, Konzertfotos oder Studioportraits: David Ulbrichs Gespür für Menschen und unwiederbringliche Gelegenheiten erfasst das Wesentliche einer Situation, hält die Energie des Augenblicks lebendig und erlaubt dem Betrachter in seine Hintergründe einzutauchen.

Text: Sigrid Fontana

Markierungen – Lutz BrandtMarkierungen – Lutz BrandtMarkierungen – Lutz BrandtZeichensprache- Volker SchmidtAnsichtsache – David Ulbrich