Peter Genßler - Im Dialog der Farben

17.05.2016

Ein kühl durchscheinender blassblaugrüner Frühlingshimmel steht im Kontrast zum dunkelblauen Horizont Meeres, dessen aufgewühlte Wogen in matt leuchtenden Reflexen am Ufer brechen. Seidig schimmernde Farbverläufe braungrünlicher Strandlandschaften lenken die Aufmerksamkeit auf die zahllosen Facetten der Dunkelheit, um die letzten Lichtpunkte im dämmernden Übergang zur Nacht wahrzunehmen und den ruhigen Tönen der Natur zu lauschen. Als Kontrapunkt lockt eine Kollage gespachtelter Leuchtkraft in Pistaziengrün, Aprikosengelb, Himbeerrot und Vanillecreme als Eisbecher mit Früchten garniert mit Minze, Maraccinokirschen und Erdbeerhälften in einem Sahnebett.

Gegensätzliche Stile und Farbenspiele stehen im Mittelpunkt der Arbeiten des Malers, Grafikers und Bildhauers Peter Genßler, die seit dem 10. Mai 2016 in der FLEXIM-Galerie dazu anregen, die Tiefe und Stille lauer Nächte und lebhaft lichtdurchflutete Natureindrücke auf sich wirken zu lassen. Ein Abend am Meer, Eichen auf Usedom, Dunkle Brandung oder Sumpfwiese titelt der Künstler seine altmeisterlich umgesetzten Motive, deren organische Formen aus abstrakten und geometrischen, großen und kleinen Flächen im Atelier nach Skizzen und Fotos zu den Dubs und Remixen von Technorhythmen entstehen.

Peter Genßler studiert zunächst Gebrauchsgrafik an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin, wechselt an die Hochschule für Bildende Künste in Dresden zum Studienfach Malerei und Grafik, um schließlich seine Bestimmung in der Bildhauerklasse von Prof. Helmut Henze zu finden. Mit dem Diplom als Bildhauer arbeitet er seit 1986 als freischaffender Künstler, wird 1995 Meisterschüler von Prof. Helmut Heinze und öffnet 1996 eine eigene Werkstatt für Druckgrafik, Keramik, Holz- und Steinbildhauerei in Nordhausen. Dort gestaltet er unter anderem auch die Bronzebüsten dreier Reformatoren für den Lutherplatz. In den letzten dreißig Jahren haben seine Skulpturen, Bronzearbeiten, Kupferstiche und Bilder unzählige Ausstellungen, Symposien und Messen bereichert. Seit 2005 arbeitet er in seinem Atelier in Bleicherode in dem seine aktuell ausgestellten Werke entstanden sind.

Anregungen für seine Arbeiten findet Peter Genßler in der Natur der Ostseeküste oder seiner Heimat Thüringen. Umgesetzt in Acryl, Aquarell und Ölkreiden, vereinzelt mit Kohle konturiert, mal plastisch gesetzt wie bei der wild wuchernden Akelei, dann wieder in transparent schimmernden Pastell lasiert wie beim Hafenlicht kommt das Motiv auf der Fläche der Leinwand zu seinem Recht und durch die Farben seinen richtigen Platz. Äußere Atmosphäre und innere Befindlichkeit verschmelzen miteinander, entwickeln eine eigene Dynamik und münden in einem expressiven Impressionismus.

Er stellt die Reaktion der Farben miteinander in den Mittelpunkt seiner Werke und es verblüfft wie vielfältig Peter Genßler die die dunklen Töne einer späten Abenddämmerung in Stimmung umsetzt. Klare starke und laute oder gedämpfte, weiß gebrochene Farben kommunizieren auf regelmäßigen und unregelmäßigen Flächen. Verinnerlichte Konzepte der Farbenlehre weisen auf die emotionalen und physischen Wirkungen ihrer Wellenlängen und erzeugen die richtige Kombination zwischen Harmonie und Dissonanz.

Sein Pinselschwung hebt Nuancen und Schattierungen hervor, lässt sie spannungsvoll zusammenstoßen oder voneinander wegstreben und verwandelt so die Leinwand in luftige Freiräume. Weiß schäumende Wellenkämme entstehen aus Kuben, Rechtecken und Quadraten. Die geometrisch aufgetragene Linienführung entwickelt kristalline Formen, teilt die Fläche und gewichtet sie in verschieden großen Einzelräumen; Lichtreflexe unterstreichen die räumliche Dynamik und vertiefen ein Spiel der Gegensätze. Der Wellenschaum des Meeres im Gezeitenwechsel enthüllt bei genauerer Betrachtung surreale Spiegelungen und Reflexionen, wechselt zwischen Besinnlichkeit und Bewegung. So gelingt es Peter Genßler die Spannung zwischen den Farben ausbalancieren zu einem hell erhöhten Einklang auf der Fläche, der sich mit einem gegenteiligen Ton zu einem perspektivischen Tiefenraum verdichtet.

Text: Sigrid Fontana

Peter Genßler - Im Dialog der Farben