Britta Bastian - Kulturlandschaften

06.09.2009

Wanderung durch die Jahreszeiten

Weite geschwungene Hügellandschaften, sommerliche Frühnebel, fein geästelte Baumgruppen, die sich in einem ruhig fließenden Bach spiegeln, der erste Raureif auf herbstlichen Blättern und schneebedeckte Winterlandschaften, laden ein zu einer Wanderung durch die Jahreszeiten. Es liegt eine friedliche Stille in den Bildern von Britta Bastian, die seit dem 27. Oktober 2009 in der FLEXIM-Galerie ausgestellt werden.

Pastell ist das Medium der Künstlerin. Es lässt sich schnell und vielseitig verarbeiten und vereinigt die Elemente Grafik und Malerei mit Sinnlichkeit. Auf dem angerauten Papier entsteht durch Verreiben der Kreide mit den Fingerspitzen eine samtig anmutende Dichte der Farben, die selbst kühlen Nuancen Wärme verleiht. Bei den in zarten Blautönen gehaltenen Winterlandschaften der Uckermark könnte sie beinahe die ersten Schneeflocken auf den feinen Zweigen der Bäume zum Schmelzen bringen. Fast körperlich spürbar wird die erfrischende Feuchtigkeit eines Frühnebels, dahinter versprechen satt schimmernde Grün- und Brauntöne einen friedlichen Sommertag.

Meist findet Britta Bastian ihre Motive in den Zwischenzeiten, den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung, dann, wenn die Landschaft unberührt daliegt und hält sie mit der Kamera fest: Polder mitten in der Oder am Spätnachmittag, Parklandschaften in Mecklenburg-Vorpommern, die Gärten der Welt in Berlin-Marzahn oder auch Blumenstillleben und Gebäude mit Charakter. Im Atelier haucht sie den als Vorlage dienenden Fotos Leben ein.

Die Malerei von Britta Bastian lässt sich nicht einordnen in die gängigen Begrifflichkeiten und Schablonen des Kunstmarktes, sie verweigert sich einer Klassifizierung in Stilrichtungen oder Tendenzen. Vielleicht lassen sich impressionistische oder fotorealistische Züge erkennen, aber eher noch fängt sie mit liebevollem Blick die Stimmung einer Landschaft ein, setzt sie wirklichkeitsnah und einfühlsam neu in Szene. Es entstehen Bilder, die Natur zu einem körperhaften Erlebnis und die Stille hörbar machen.

Malen wollte die in Stralsund geborene Britta Bastian schon immer und wurde darin von ihrem Vater, dem Maler Tom Beyer bestärkt. Nach dem Abitur lernte sie zunächst das Tischlerhandwerk, absolvierte ein Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin bei dem Filmarchitekten und Bauhausschüler Selman Selmaničil und machte sich in ihrer über zwanzig Jahre währenden Tätigkeit beim Deutschen Fernsehfunk einen Namen als Szenenbildnerin.

Erst mit dem "Altersstipendium" findet Britta Bastian zur Malerei zurück, experimentiert mit Öl und Aquarell, empfindet sie als zu einengend, mühsam und langsam. Beim Fernsehen musste immer schnell reagiert werden. Das prägt. Kreide liefert ihr als direktes Ausdrucksmittel die besten Ergebnisse, um die Atmosphäre einer endlos weitläufigen Landschaft auf einen kleinformatigen Zeichenblock zu bringen. In den letzten fünfzehn Jahren ist sie auch mit ihren stimmungsvollen Landschaftspastellen bekannt geworden, mit wachsendem Erfolg, wie zahlreiche Einzelausstellungen in Galerien und Museen beweisen.

Doch den unmittelbarsten Zugang zu den Werken Britta Bastians findet man in der Natur. Ihr Atelier liegt im kleinen Dorf Bebersee inmitten des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Dort führt sie seit über zehn Jahren gemeinsam mit dem Maler Eberhard Ugowski die Hofgalerie 23. An jedem Sonntag zwischen Mai und September wird der große Garten zu einem immer beliebter werdenden kulturellen Treffpunkt mit Freunden, aber auch unter der Woche sind Besucher willkommen. Doch bis zum Mai ist es noch lange hin, ein bisschen verkürzt wird die Wartezeit bei einer Wanderung durch die Jahreszeiten in der FLEXIM-Galerie.

Text: Sigrid Fontana

Britta Bastian bei der Eröffnung ihrer Ausstellung