Auf Augenhöhe - Ilka Lörke

07.03.2014

Ein Kind steht mit geöffnetem Sonnenschirm an der Spitze eines Ruderbootes und versucht den Wind einzufangen. Neben dem Schnappschuss, auf sandfarbenen Untergrund gepinnt, liegen  vielfarbig gestreifte Schalen und warten darauf gefüllt zu werden, darunter empfängt ein Radiorekorder Signale von außen und gibt sie weiter.

„Auf Empfang“  heißt dieses großformatige Gemälde der Künstlerin Ilka Lörke und es leitet den Weg durch die aktuelle Ausstellung in der FLEXIM-Galerie ein, die seit dem 6. März 2014 den Besuchern ungewohnte Einblicke und Perspektiven auf Kultur und Landschaft gewährt. Die zwischen 2008 und 2013 entstandene Bilderreise zeigt Momentaufnahmen der Ostseeinsel Hiddensee und eine Auswahl ihrer Arbeiten über Berliner Wahrzeichen. Mal erscheinen die  schemenhaften Umrisse der geflügelten  Göttin Viktoria vor dunkelblauen Nachthimmel, dann wieder glitzern sie rotgolden im Sonnenaufgang. Das Motiv der Siegessäule mit der Goldelse ist für Ilka Lörke das untrügliche Signal in Berlin angekommen zu sein und veranlasst sie, die Denkmäler der Stadt aus anderer Perspektive zu betrachten.

Ilka Lörke zieht 1989 nach Jahrzehnten des Familienlebens und der Arbeit als Kauffrau von Bremen nach Berlin und nimmt ein Studium an der HDK auf. Ihr neues Handwerk lernt sie bei Prof. Peter Müller und in den Ateliers von Inge Hildebrand – Schmidt und Jonas Dangschat. Ihre Fertigkeiten vertieft sie bei Studienaufenthalten in Südostasien, Indien, USA und Italien, wird Mitglied im Bundesverband bildender Künstler, Gründungsmitglied der Künstlergruppe AGO und Initiatorin der Produzentengalerie „just paint & move“ am Karl-August-Platz in Berlin – Charlottenburg. Seit 1996 arbeitet sie als freie Künstlerin, unterrichtet Malerei und hat an zahlreichen Einzel – und Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen.

In gepäcktauglichen, zartblau, türkis und rot leuchtenden Stillleben fängt die Künstlerin auf Hiddensee ihre Eindrücke spielender Kinder, Strandspaziergängern, Sonnenanbetern und Nachtschwärmern ein. In lebendigem blau und gelb schwingen die weiten langen Röcke zweier wie  Derwische tanzende Figurinen vor verlaufenden goldgetöntem Aubergine, ein anderes Paar swingt beinahe aus seinem Hochformat heraus. Das 180 x 135 messende tiefblaurote Diptychon des löwenreitenden Genius mit Aulos vor dem Portal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt, zeigt die Seitenansicht Tiecks Skulptur auf Augenhöhe. Samtige Rottöne und kreidiges Weiß heben das Lyra spielende Gegenüber auf einem Panther mit der Ansicht des Französischen Doms hervor.

Ilka Lörke arbeitet lasierend mit Acryl oder Öl. In einem dynamischen Prozess lassen viele Farbschichten die weichen Übergänge der Motive mit der samtig matt schimmernden Oberfläche verschmelzen und gleichzeitig hervortreten. Selbst zarte Pastelltöne erreichen eine satte Farbtiefe und auch der Inhalt wandelt sich.  Ein Detail rückt aus dem Hintergrund nach vorne und  gewinnt an Größe während ein anderes verschwindet oder stark verkleinert einen anderen Platz findet. Doch die Farbschwingung der ersten Arbeitsschritte bleibt erhalten und kann nach monatelanger Bearbeitung auch  beim fertiggestellten Werk noch an vereinzelten Stellen wahrgenommen werden.

Die Auswahl der bei FLEXIM ausgestellten Bilder macht neugierig auf Ilka Lörkes neues Projekt „Die Beine der Hohenzollern“.  Die strammen Waden sämtlicher preußischer Markgrafen, Kurfürsten, Könige und Kaiser, deren marmorne Denkmäler die ehemalige Siegesallee zwischen Reichstag und Kemperplatz säumten, werden an den Wänden des zukünftigen Museums der Zitadelle Spandau zu sehen sein.

www.ilkaloerke.de

Text: Sigrid Fontana

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