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Girls Day bei FLEXIM
Keine Roboter konfektionieren Kabel, ziehen sie durch biegsame Metallschläuche oder füllen winzige Glasperlen in die Schutzhüllen von Sensorpaaren. Keine Maschine bringt Lötzinn in ebenmäßigen Tropfen auf kaum fingernagelgroße Speicherplatinen und verbindet sie mit Datenkabeln. In der Gerätefertigung von FLEXIM in Berlin-Marzahn stehen hinter jedem Arbeitsschritt Menschen mit einer handwerklich-technischen Ausbildung, geübten Fingern und scharfen Augen. Sie bauen rund fünfzehn unterschiedliche Gerätetypen in zahllosen Variationen, führen in Einzelanfertigung und passgenau winzige Drähte in SMB-Kontakte, fügen Speicherplatinen mit einem Stecker zusammen oder stellen sicher, dass die Parameter der Sensoren mit denen der Geräte übereinstimmen. Einige Arbeiten wirken kinderleicht, aber der Umgang mit Werkzeug und Materialien will gelernt sein.
Es ist Girls Day und Samila Falke und Julia Menzel, Schülerinnen der achten Klasse der Carl-Zeiss-Oberschule in Lichtenrade, sind nach einer Betriebsführung nicht nur verblüfft über die Größe des Unternehmens, sondern auch über die viele Handarbeit in der Herstellung. Am 14. April 2011 konnten wieder drei Mädchen erste Erfahrungen im Berufsfeld der Mechatronik sammeln. Bereits zum vierten Mal beteiligt sich FLEXIM an der bundesweiten Aktion, doch erstmals waren die Plätze öffentlich ausgeschrieben und sofort vergeben. Nur der vierzehnjährigen Tabita Knoblauch vom Friedrich-Engels-Gymnasium in Reinickendorf waren die Begriffe Durchflussmessgerät und Prozessrefraktometer schon vorher vertraut, denn ihre Mutter ist bei FLEXIM für den Bereich Analyse verantwortlich.
In jedem der drei Teilbereiche der Gerätefertigung hat der Techniker Holger Schneider, Werkstattleiter der Elektronikfertigung, einen Arbeitsplatz für seine Tagespraktikantinnen vorbereitet. Zunächst sollen sich sechzehn gleich lange Drahtstücke in ein Haus verwandeln. Diese Übung aus einem Eignungstest verlangt räumliche Vorstellungskraft, eine ruhige Hand und das richtige Gespür für Hitzezufuhr und Flussmittel. Mit den nützlichen Tipps von Steven Berner gelingt es jedem Mädchen ihren exakt verlöteten Würfel mit zwei gleichschenkligen Dreiecken zu überdachen. In der Abteilung für Sensorfertigung sind unter der Anleitung von Denny Kahl etliche Kabelenden zu verzinnen und mit Speicherplatinen zu verlöten. Lothar Kühn, Leiter der mechanischen Werkstatt, weckt die Begeisterung der Gymnasiastinnen für den Beschriftungslaser.Dieser kennzeichnet die Typenschilder mit Sicherheits- und Warnhinweisen, Strom- und Spannungswerten, Herstellungsdatum und -adresse, Prüfstellen und anderen wichtigen Informationen. Die Mädchen vertiefen sich in die Software des Gerätes, experimentieren mit Größe, Breite und Farbttiefe der Schrifttypen und Symbole. Mit fokussiertem Laserstrahl gravieren sie anschließend ihren Namenszug auf ein Hightech-Lineal mit eingebautem Rechner und einen Kugelschreiber.
Unter den Top-Ten der Frauenberufe findet sich nach wie vor kein technischer. Nicht einmal vier von hundert Frauen wählen eine Ausbildung in dieser Branche, obwohl dort zunehmend qualifizierter Nachwuchs fehlt. Seit 2001 haben am Girls-Day eine Million Mädchen in beinahe zehntausend Unternehmen und Einrichtungen erste Erfahrungen in elektrotechnischen Bereich gesammelt. Der Mädchen- Zukunftstag erweitert nicht nur das Spektrum der Berufswahl um Ausbildungen in Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften. Auch Betriebe lassen sich von den Fähigkeiten des weiblichen Nachwuchses überzeugen und viele sprechen danach in ihren Stellenausschreibungen gezielt Frauen an. Bei Julia, Samila und Tabita überwiegen noch Berufsvorstellungen im sozialen Bereich, doch mit ihren praktischen Fähigkeiten, ihrer Neugier und schnellen Auffassungsgabe steht ihnen auch eine naturwissenschaftlich-technische Karriere offen. Bis heute zählt FLEXIM in der Abteilung für Gerätefertigung sechs Frauen bei dreißig Mitarbeitern und liegt damit über dem Durchschnitt. Aber nicht nur für dieses Aufgabengebiet freut sich die Personalabteilung von FLEXIM über die Bewerbungen von Mädchen um Praktika und Ausbildungsplätze.
Text: Sigrid Fontana




